|
Tagblatt Online, 28. April 2011 01:08:00
Hotel für die Velofahrer

MARKUS SCHOCH
Gemeindeammann Kurt Helg spricht von einem
Glücksfall für Salmsach. «Wir haben eine optimale Situation: Alle
Beteiligten würden profitieren. Es kann uns nichts Besseres
passieren.»
Die Gemeinde wollte die Infrastruktur der Badi
ohnehin erneuern. Im Voranschlag und Finanzplan für dieses und die
nächsten zwei Jahre ist dafür ein Betrag von 450 000 Franken
eingesetzt. «In der Kombination mit dem Velohotel wird es für uns
beträchtlich billiger», ist sich Helg sicher. Geplant sind sanitäre
Anlagen und Umkleidekabinen, ein Kiosk sowie ein Lagerraum für die
Gemeinde.
Ein Plus für Salmsach wäre nach Meinung von Helg
auch das Velohotel selber, zu dem ein Restaurant mit grosser
Terrasse und Platz für etwa 70 Personen gehört. Geöffnet sein würde
es nach Aussage von Architekt Fredy Iseli voraussichtlich etwa neun
Monate im Jahr. «Das Angebot würde Salmsach touristisch aufwerten»,
sagt Helg. Auch ist er überzeugt, weniger Probleme mit
Sachbeschädigungen und Littering beim Badeplatz zu haben, wenn das
Restaurant geöffnet hätte.
Bau in zwei Etappen
Das Hotel soll im Endausbau 15 Doppelzimmer
umfassen, die ein WC und eine Dusche haben, aber sonst «einfach
eingerichtet sind», gemäss Iseli.
In einer ersten Etappe würden aus baurechtlichen
Gründen allerdings bloss vier Zimmer angeboten werden können. Der
Badeplatz liegt in der Zone für öffentliche Anlagen, die nur
eingeschossige Bauten zulässt. Iselis Projekt sieht aber eine zweite
Etage mit zusätzlichen elf Zimmern vor, was eine Umzonung des Areals
nötig machen würde. Am Salmsacher Gemeinderat soll es nicht
scheitern. Er würde laut Helg Hand bieten, damit Iseli erweitern
könnte.
Eröffnung frühestens 2012
Doch das ist Zukunftsmusik.
Zuerst einmal reicht Iseli jetzt nächste Woche das Baugesuch ein und
stellt die Visiere für sein Projekt, in das er gegen 1,3 Millionen
Franken investieren würde. Der Kanton hat die Pläne in der
Vorprüfung bereits gutgeheissen.
Frühester Termin für die Eröffnung des Velohotels
ist nächsten Frühling, es könne aber auch ein Jahr später werden,
sagt Iseli. «Es besteht kein Zeitdruck», macht er klar. Mit einem
möglichen Betreiber des Velohotels ist Iseli im Gespräch. Den Namen
wollte er noch nicht nennen.
Das Velohotel soll im Eingangsbereich zur Badi
östlich der ehemaligen Sägerei zu stehen kommen, die von einem
Antiquitätenhändler und der Gemeinde als Lagerraum genutzt wird. Das
Holzgebäude würde abgebrochen, wenn das Neubauprojekt verwirklicht
würde.
Das Land gehört der Gemeinde. Sie würde es Iseli
im Baurecht abgeben, sagt Helg. Die Details sind allerdings noch
nicht geklärt.
Iseli bezeichnet den Standort als gut, auch wenn
er nicht am Bodensee-Radweg liegt. Künftig dürften aber vermehrt
Velofahrer an der Salmsacher Badi vorbeikommen. Die Gemeinde will
sie nämlich neu abseits der offiziellen Route durchs Dorf führen.
Dazu wird der Weg entlang des Bahndamms ausgebaut, an dem das
Velohotel zu stehen kommen soll.
Das neue Velohotel in Güttingen sieht Iseli nicht
als Konkurrenz – im Gegenteil. «Ich könnte mir sogar eine gemeinsame
Vermarktung vorstellen.» Letztlich sei jedes neue touristische
Angebot auf Schweizer Seite zu begrüssen. «Wir müssen unbedingt mehr
machen», sagt Iseli.
|